{"id":1406,"date":"2022-09-27T20:39:37","date_gmt":"2022-09-27T18:39:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/?p=1406"},"modified":"2022-10-02T17:09:42","modified_gmt":"2022-10-02T15:09:42","slug":"hier-entsteht-ein-neuer-beitrag-10","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/?p=1406","title":{"rendered":"Prof. Dr. Vahrenholt \u00fcber die drohende Deindustrialisierung Deutschlands, Auszug aus einer Mail an Frau Stiefel vom Verein Mensch und Natur"},"content":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Frau Stiefel,<\/p>\n<p>bevor wir auf die Deindustrialisierung Deutschlands zu sprechen kommen, die auf Grund der gro\u00dfen Energiekrise beginnt, werfen wir einen Blick auf die Temperaturentwicklung.<br \/>\nDie Abweichung der globalen Temperatur vom 30-j\u00e4hrigen Mittel der satellitengest\u00fctzten Messungen der University of Alabama (UAH) ist im August 2022\u00a0 gegen\u00fcber dem Juli von 0,36 Grad auf 0,28 Grad Celsius gefallen. Die Seitw\u00e4rtsbewegung der Temperatur seit sieben Jahren setzt sich fort. Auch wenn in Deutschland der Eindruck erweckt wurde, dass der au\u00dfergew\u00f6hnlich sonnenreiche und warme Sommer 2022 ein Indiz f\u00fcr die Klimaerw\u00e4rmung sein, muss man sich die globale Entwicklung vor Augen f\u00fchren, die einzig und allein f\u00fcr eine Klimabetrachtung herangezogen werden darf. Danach sind wir nur 0,28 Grad Celsius vom 40 &#8211; j\u00e4hrigen Mittelwert entfernt. Das ist alles andere als besorgniserregend.<\/p>\n<p><strong>Die Deindustrialisierung Deutschlands hat begonnen<\/strong><br \/>\nWir m\u00fcssen immer wieder darauf hinweisen, dass die Energiem\u00e4rkte bereits vor dem Ukraine-Krieg aus den Fugen geraten waren. Durch Abbau von Erzeugungskapazit\u00e4ten (Kohlekraftwerke und Kernkraftwerke) in ganz Europa und unterlassene Erschlie\u00dfung neuer \u00d6l-, Gas und Kohlevorkommen sowie einem rasanten, aber politisch gewollten Anstieg der Preise von Emissionszertifikaten vervielfachten sich die Preise von Gas und Strom schon in 2021. Der Ukraine-Krieg hat diese Tendenz noch einmal versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Der BDI-Pr\u00e4sident Siegfried Russwurm verwies auf der <span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/video240780253\/Schloss-Meseberg-Wie-Scholz-Habeck-und-Lindner-die-Energiekrise-bewaeltigen-wollen.html\" target=\"_blank\">Regierungsklausur in Meseburg<\/a><\/span> vom 31.8.2022 darauf hin, dass die Industrie im Verlaufe diesen Jahres 21 % weniger Gas eingesetzt hat. Ein gro\u00dfer Teil ist aber nicht durch Einsparung oder Wechsel zu anderen Energietr\u00e4gern erfolgt, sondern durch Stilllegung und Herunterfahren der Produktion.<\/p>\n<p>Russwurm:<span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wirtschaft-verantwortung\/produktion-und-krise-wirtschaft-li.262725\" target=\"_blank\"> &#8222;Das ist kein Erfolg, sondern Ausdruck eines massiven Problems. Die Substanz der Industrie ist bedroht.&#8220;<\/a><\/span> .Und weiter: \u201eDie Lage ist f\u00fcr viele Unternehmen schon jetzt oder in K\u00fcrze toxisch.&#8220; Die Antwort der Bundesregierung ist nicht etwa wie in Frankreich einen wettbewerbsf\u00e4higen Industriestrompreis zu schaffen, sondern man schaut zu, wie eine Fabrik nach der anderen ihre Produktion schlie\u00dft. Bemerkenswert ist die Reaktion von Wirtschaftsminister Habeck auf der Meseberg -Pressekonferenz. &#8222;Die Situation, dass wir g\u00fcnstiges Gas aus Russland bekommen, wird nicht wiederkehren&#8230;Das ist keine gute Nachricht, weil sie jeweils in den betroffenen Industriezweigen bedeuten kann, dass dort ein Strukturwandel und &#8230; ein Strukturbruch passieren kann. Wir antworten darauf, &#8230;indem wir die arbeitspolitischen Ma\u00dfnahmen, Kurzarbeitergeld fortf\u00fchren werden.&#8220; Er will alternative Gesch\u00e4ftsmodelle unterst\u00fctzen, was einer eleganten Umschreibung von Deindustrialisierung gleichkommt. Die Industriegewerkschaften sollten sich die <span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/video240780253\/Schloss-Meseberg-Wie-Scholz-Habeck-und-Lindner-die-Energiekrise-bewaeltigen-wollen.html\" target=\"_blank\">Passage ab Minute 30 des Videos<\/a><\/span> mehrfach anh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Zehn Prozent der deutschen Mittelst\u00e4ndler sehen <span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wirtschaft-verantwortung\/produktion-und-krise-wirtschaft-li.262725\" target=\"_blank\">sich vor dem Zusammenbruch<\/a><\/span>.<\/p>\n<p>Stahlfabriken wie in <a href=\"https:\/\/finanzmarktwelt.de\/stahlwerke-in-hamburg-und-bremen-stellen-produktion-ein-244576\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #0000ff;\">Hamburg und in Bremen<\/span> <\/a>machen dicht, Papierfabriken stehen vor dem aus. Der Papierhersteller Hakle ist erst der Anfang. Die Aluminiumindustrie hat ihre Produktion nicht nur in Deutschland weitgehend stillgelegt &#8211;\u00a0 Europa hat nach WoodMackenzie bereits <span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2022-09-04\/energy-crisis-europe-s-aluminum-smelters-are-struggling-to-survive\" target=\"_blank\">1 Mio. t Aluminium verloren<\/a><\/span>.<\/p>\n<p>Alarmierend ist auch die Lage von Chemiefabriken und insbesondere in den D\u00fcngemittelfabriken.<\/p>\n<p><strong>Deutschland braucht einen wettbewerbsf\u00e4higen Industriestrom<\/strong><br \/>\nDie Akademie Bergstrasse f\u00fchrt eine bedr\u00fcckende Liste der Opfer der Energiepreisentwicklung <span style=\"color: #0000ff;\"><a style=\"color: #0000ff;\" href=\"https:\/\/www.akademie-bergstrasse.de\/deindustrialisierung\" target=\"_blank\">auf ihrer Webseite<\/a><\/span>. Warum muss das eine Akademie machen,\u00a0 wann endlich schlagen unsere Industriegewerkschaften Alarm?<br \/>\nIhre wichtigste Forderung m\u00fcsste die Schaffung eines wettbewerbsf\u00e4higen Strompreis sein.<\/p>\n<p>Ich hatte mich sehr gefreut, als im Wahlkampf des Jahres 2021 Bundeskanzler Olaf Scholz sein Ziel f\u00fcr das Industrieland Deutschland auf dem Tag der Industrie formulierte : \u201eMein Ziel ist ein Industriestrompreis von vier Cent\u201c.\u00a0 Heute hat er sich fast verzehnfacht. In Frankreich ist den Industrieunternehmen der direkte Zugang zum preiswerten Kernenergiestrom erlaubt. F\u00fcr rd. 4,5 \u20acct\/kwh k\u00f6nnen Industrieunternehmen insgesamt 120 Terawattstunden, 25 % der franz\u00f6sischen Erzeugung, vornehmlich aus Kernkraftwerken, beziehen. Die EU-Kommission hatte eine solche Vorgehensweise schon 2010 abgesegnet.<\/p>\n<p>Aber wir diskutieren die Abschaltung der letzten drei Kernkraftwerke. Der gr\u00fcne Wirtschaftsminister bietet einen faulen Kompromiss eines Streckbetriebs\u00a0 von 2 Kernkraftwerken bis zum n\u00e4chsten Fr\u00fchjahr an. Er verheimlicht uns, dass die Stilllegung jedes weiteren Kernkraftwerkes die Merit order weiter nach links schieben wird und den Strompreis massiv steigen l\u00e4sst. In der Merit order, der Einsatzreihenfolge von Kraftwerken, werden die Kraftwerke nach ihren Erzeugungskosten in ansteigender Form sortiert. Bei steigendem Bedarf werden immer teurere Kraftwerke hinzugeschaltet. Die teuersten sind die \u00d6l- und Gaskraftwerke. Das folgende Bild zeigt, dass bei einem Betrieb von 6 Kernkraftwerken und der Revitalisierung der Braunkohlekraftwerke die Stromkosten sich mehr als halbieren w\u00fcrden. Das verheimlicht uns Robert Habeck und die gesamte Bundesregierung.<\/p>\n<p>Wie man sehen kann, ist der Einfluss gesicherter Grundlast durch Kernkraft und Braunkohle in einem Strommarkt mit extrem hohen Gasstrompreisen von fundamentaler Bedeutung zur Bek\u00e4mpfung des Preisanstiegs. Nicht das Fummeln an der Merit order, wie es die Bundesregierung jetzt plant, hilft uns langfristig weiter, sondern die Beendigung der Stromverknappung mit preiswerter Stromerzeugung. In dem in der Abbildung gew\u00e4hlten Modell, berechnet nach dem <a href=\"https:\/\/www.ewi.uni-koeln.de\/de\/publikationen\/ewi-merit-order-tool-2022\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #0000ff;\">Merit order tool des EWI <\/span><\/a>(Energiewirtschaftliches Institut der Universit\u00e4t K\u00f6ln) <strong>halbieren sich die Stromkosten l um mehr als die H\u00e4lfte, wenn preiswerte Kernkraft und Braunkohlekraftwerke weiterbetrieben werden.<\/strong> 170 \u20ac pro Mwh (17 \u20acct\/kwh)\u00a0 sind immer noch dreimal soviel wie vor der Energiekrise, aber es w\u00fcrde den Kern des Industriestandorts in Deutschland erhalten lassen. Aber manchmal gewinnt man den Eindruck, dass sich die Politik mit der Erosion des Industriestandortes Deutschland schon abgefunden hat.<\/p>\n<p>Aber wir alle d\u00fcrfen die Arbeitnehmer in den Industriebetrieben nicht im Stich lassen. Es geht um unser aller Wohlstand. Unterst\u00fctzen Sie daher die Initiative <a href=\"https:\/\/www.rettet-unsere-industrie.de\/unsere_industrie\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #0000ff;\">&#8222;Rettet unsere Industrie&#8220; der Akademie Bergstrasse !<\/span><\/a><\/p>\n<p>Mit den besten W\u00fcnschen<br \/>\nIhr<br \/>\nFritz Vahrenholt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Frau Stiefel, bevor wir auf die Deindustrialisierung Deutschlands zu sprechen kommen, die auf Grund der gro\u00dfen Energiekrise beginnt, werfen wir einen Blick auf die Temperaturentwicklung. Die Abweichung der globalen Temperatur vom 30-j\u00e4hrigen Mittel der satellitengest\u00fctzten Messungen der University of Alabama (UAH) ist im August 2022\u00a0 gegen\u00fcber dem Juli von 0,36 Grad auf 0,28 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1406"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1406"}],"version-history":[{"count":20,"href":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1406\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1428,"href":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1406\/revisions\/1428"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1406"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1406"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.bi-boehmfeld.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1406"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}